Interview

Was haben Sie vor dem WBK Siegen gemacht?

Ich habe vier Sprachkurse gemacht am, u.a. am BBZ. Dann habe ich ein Praktikum als Altenpflegerin absolviert und im Sozialkaufhaus in Freudenberg gearbeitet.

Seit wann sind Sie bei uns, hat sich ihr Plan geändert?

Ich bin seit dem 28.08.2017 hier an der Schule. Das weiß ich genau, denn dann hat mein deutscher Bruder Geburtstag. Am Anfang dachte ich der Hauptschulabschluss reicht. Aber ich brauchte mehr Sprache und hier hab ich meine Angst verloren mit Deutschen zu sprechen. Ich habe keine Angst mehr und weil ich gute Noten bekommen habe, macht es auch Spaß und ich mache einfach weiter.

Welche Situation in der Schule war bisher am schönsten für Sie?

Ich fand unsere Gruppe, die aus dem FFM entstanden ist und fast nur aus Neuzugewanderten bestand, wirklich gut. Ich hatte da keine Angst zu sprechen, weil wir alle Deutsch lernen und gleiche Erfahrungen gemacht haben. Als wir jetzt im Sommer mit den „Deutschen“ in einem Semester gemischt wurden, hatte ich erneut große Angst, ich dachte, dann gäbe es zwei Lager: „die Deutschen“ und „die Ausländer1“ . Aber zum Glück war es so nicht. Mittlerweile helfen wir uns gegenseitig und ich habe keine Angst mehr mit anderen zu sprechen. Außerdem ist die Schule wie eine Familie. Die Lehrer sind wie Familienmitgliedern, man kann ganz normal mit ihnen sprechen und man ist so nah. Das gefällt mir und nimmt mir die Angst.

Was war die größte Herausforderung für Sie?

Wie zuvor gesagt, die Sprachbarriere macht mir Angst. Im R2 war es zwischendurch auch so, dann sitzen alle zusammen und alle außer mir verstehen und/oder sprechen Arabisch. Da habe ich ständig Angst, dass sie über mich reden und habe da tatsächlich oft geweint. Aber dann hab ich mich einfach ein bisschen weniger daran gestört, mich ein bisschen gelöst, und bin mit Abstand daran gegangen. Das hat geholfen.

Was würden Sie anderen raten, wenn diese überlegen nochmal mit Schule zu starten?

Es macht Spaß, man muss viel lernen, aber es lohnt sich. Ich kann jetzt alles alleine machen, ich habe ganz allein eine Arbeit gefunden und kann jetzt für andere übersetzen. Eine Bekannte ist seit 25 Jahren hier und spricht kaum Deutsch, ich bin jetzt seit 4 Jahren in Deutschland und habe so viel geschafft – auch wegen der Schule.

Was hat sich für Sie verändert, seit Sie in der Schule sind? Haben Sie sich verändert, inwiefern? Haben sich Ihre Ziele verändert?

Früher war ich schüchtern und still, weil ich Angst hatte, dass meine Sprache nicht gut genug ist, dass mich keiner versteht. Jetzt habe ich keine Angst mehr. Mein Ziel Erzieherin zu werden, habe ich aufgegeben, weil ich dabei zu alt werde. Aber eine gute und interessante Arbeit möchte ich dennoch später finden.

Wenn Klausuren, Arbeit, Gesundheit usw. stressen, was machen Sie, um in der Situation nicht unterzugehen? Welchen Ratschlag können Sie geben zum Umgang mit Stress?!

Wenn ich lerne, denke ich, das ist nur eine Klausur oder ein Test. Es wird alles gut, ich gebe nicht auf. Wenn eine Klausur oder ein Test nicht so gut war, dann gibt es auch wieder eine neue Klausur oder einen neuen Test, in der/dem ich zeigen kann, dass ich es besser kann. Ich rede viel darüber, so lerne ich, was ich anders machen kann, wie ich mich verbessern kann. Ich versuche auch positiv zu denken und wenn ich schlechte Laune habe, dann gehe ich raus - am liebsten in den Wald. Da rede ich entweder mit mir, oder mit meiner toten Oma, die weiß alles von mir.

…wollen Sie noch etwas Anderes sagen?

Schule ist wichtig, auch wenn sie schwer ist. Aber ich habe dadurch gelernt selbstständig zu sein. Und ich habe dafür viel Respekt und Anerkennung erhalten. Wenn etwas Spaß macht, dann geht es auch viel besser und einfacher. Außerdem habe ich an der Schule viele neue tolle Leute kennengelernt.

Das Interview mit Shanushiya Loganathan fand am 13.12.2019 statt.

Begriff wird absichtlich verwendet, Shanushiya mag ihn selbst nicht und hatte Angst so abgeurteilt zu werden.


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