Interview

Was haben Sie vor dem WBK Siegen gemacht?

Ich war zwei Monate an der Geschwister-Scholl-Schule, dann ein Jahr auf der AHS, dann bei der DAA und nochmal bei der AHS. Ich sollte dort Deutsch lernen. Dann hat das Jobcenter mich aber an das WBK Siegen vermittelt.

Was wollen Sie am WBK Siegen erreichen und was ist der Plan im Anschluss?

Ich bin seit 2017 am Weiterbildungskolleg und erst wollte ich nur den Realschulabschluss machen, aber jetzt will ich Fachabitur machen. Denn ich möchte zur Polizei, das hat sich mit der Auflösung meiner Verlobung geändert. Das ist mein absoluter Traumjob.

Welche Situation in der Schule war bisher am schönsten für Sie?

Ich bin seit 2014 in Deutschland und finde die Schule jetzt am schönsten. Hier kann ich jeden fragen und bekomme auch Antworten bzw. finde die richtige Person, die mir helfen kann. Ich kann hier so viel lernen und meine Freundin Zajnab, mit ihr ist es immer am lustigsten. Wenn sie etwas sagt, dann muss ich lachen, aber im Unterricht, wenn andere dabei sind, traue ich mich nicht. 

Was war die größte Herausforderung für Sie?

Mathe fällt mir schwer. Aber jetzt kann ich sogar Gleichungen lösen. Ich habe mir dazu Nachhilfe in der Bluebox geholt und langsam klappt es. Aber am Anfang dachte ich, dass ich das niemals schaffen werde.

Was würden Sie anderen raten, wenn diese überlegen nochmal mit Schule zu starten?

Sie sollen auf jeden Fall zur Schule gehen, weil man nur so sein Ziel erreichen kann. Wenn man keinen Schulabschluss hat, kriegt man auch keine gute Arbeit. Und später werden sie es auf jeden Fall bereuen, wie meine Mutter. Sie selbst sagt, dass sie es bereut, dass sie nie zur Schule gegangen ist und selbst eine sinnvolle und gutbezahlte Arbeiten finden konnte. Schule ist wichtig, auch in Syrien hat meine Mutter uns immer in die Schule geschickt, das war und ist immer das Wichtigste.

Was hat sich für Sie verändert, seit Sie in der Schule sind? Haben Sie sich verändert, inwiefern? Haben sich Ihre Ziele verändert?

Seit ich zur Schule gehe, werde ich mutiger. Ich lerne Deutsch und traue mich viel mehr. Ich kann jetzt mit anderen, die ich gar nicht kenne, ganz normal sprechen und lachen. Früher war ich so schüchtern, dass ich mich nicht getraut habe, jemanden um Hilfe zu bitten oder Fragen zu stellen. Jetzt hab ich viel mehr Mut. 

Dabei hat mir meine Freundin und deren Freund viel geholfen, die Schule und die Lehrer und auch meine geplatzte Verlobung. Jetzt bin ich mutig, ich weiß, dass ich vieles, was aussichtslos schien hinbekommen habe! Und das werde ich auch wieder schaffen!  

Wenn Klausuren, Arbeit, Gesundheit usw. stressen, was machen Sie, um in der Situation nicht unterzugehen? Welchen Ratschlag können Sie geben zum Umgang mit Stress?!

Ich schreibe oder weine, meistens hilft es mir aber, alles auf Deutsch einfach runterzuschreiben. Ich versuche auch einfach weiterzumachen, ich gehe einfach jeden Tag zur Schule – auch wenn ich manchmal gar keinen Unterricht habe, gehe ich dahin und setzte mich in einen Raum und lerne. Wenn das nicht hilft, dann gehe ich gerne spazieren und höre dabei laute Musik. Das hilft auf jeden Fall!

…wollen Sie noch etwas Anderes sagen?

NIEMALS aufgeben! Gebt euch einfach Mühe und macht weiter. Alles was schwer war, wird dann irgendwann leichter, wirklich!


Das Interview mit Rim fand am 27.02.2020 statt.

 

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